Oft läuft ein Arztbesuch so ab: Erst warten Sie wochenlang auf einen Termin, dann sitzen Sie stundenlang im Wartezimmer – dafür aber nur ganz kurz im Sprechzimmer. Sobald Sie wieder draußen sind, fallen Ihnen plötzlich ganz viele Fragen ein, die Sie eigentlich noch stellen wollten. Damit Sie in Zukunft nicht mehr unzufrieden aus der Praxis gehen, können Sie einiges tun und – noch wichtiger – einiges lassen. Wir stellen Ihnen hier die 7 größten Fehler vor, die einen Arztbesuch scheitern lassen.
Fehler 1: Sie verlassen sich bei der Arztwahl nur auf Bewertungsportale
Es scheint so einfach: Sie klicken sich im Internet durch ein paar der zahlreichen Bewertungsportale, und schon ist der perfekte Arzt gefunden. Aber wussten Sie, dass es für einen Arzt ganz einfach ist, seine Bewertung zu frisieren? Er kann z. B. Familienangehörige und Freunde bitten, positive Einträge zu verfassen. Oder er beauftragt gleich eine Firma, die sich professionell darum kümmert, dass regelmäßig gute Bewertungen erscheinen und schlechte gelöscht werden. Erfolgversprechender ist es, wenn Sie sich einmal in Ihrem Familien- und Freundeskreis umhören und sich einen guten Arzt empfehlen lassen. Sollten Sie so nicht fündig werden, können Ihnen die Webseiten der verschiedenen Arztpraxen weiterhelfen. Hier sehen Sie, wie modern eine Praxis ist und welche Geräte vorhanden sind. Bei einer Hausarztpraxis ist es beispielsweise vorteilhaft, wenn sie die nötige Ausstattung für Ultraschalluntersuchungen und Belastungs-EKGs hat, damit Sie nicht jedes Mal zu einem Facharzt überwiesen werden müssen – lange Wartezeiten auf einen Termin inklusive.
Fehler 2: Sie gehen immer gleich zum Facharzt
Wegen der freien Arztwahl können Sie auch als gesetzlich Versicherter ohne eine Überweisung direkt zum Facharzt gehen. Oft ist es jedoch besser, den Umweg über den Hausarzt zu wählen. Er hat keinen Tunnelblick wie die stark spezialisierten Fachärzte. Und besonders wichtig: Er kennt Ihre Krankengeschichte genau und hat einen Überblick über alle bisherigen Diagnosen und Behandlungen. Deshalb kann er neue Beschwerden meist zutreffend einordnen und Sie bei Bedarf an die richtige Stelle überweisen. Außerdem kennt er auch Ihre persönlichen Lebensumstände und ist damit der ideale Partner, um gemeinsam die richtige Therapie für Sie zu finden. Er berücksichtigt beispielsweise, dass Sie sich um einen pflegebedürftigen Angehörigen kümmern müssen, und rät Ihnen dann bei Gelenkproblemen eher zu einer physiotherapeutischen Behandlung als zu einer Operation, bei der Sie wochenlang ausfallen. Ein weiterer wichtiger Vorteil für Sie: Wenn Sie gesetzlich versichert sind, können Sie sich freiwillig dazu verpflichten, bei gesundheitlichen Problemen immer zuerst den Hausarzt zu konsultieren und so von reduzierten Beiträgen profitieren.
Fehler 3: Sie gehen unvorbereitet zum Arzt
Wenn Sie sich bereits vor dem geplanten Arztbesuch über Ihre Erkrankung und Behandlungsmöglichkeiten informieren, können Sie schon im Vorfeld viele Unsicherheiten klären. Alle noch offenen Fragen sollten Sie auf einem „Spickzettel“ notieren.
- Vor- und Nachteile von verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.
- Wie schnell sollten Sie mit der Therapie beginnen?
- Was passiert, wenn Sie auf eine Behandlung verzichten würden?
- Wird die Therapie von der Krankenkasse erstattet?
Wenn Sie diesen „Spickzettel“ zum Arztbesuch mitnehmen, vergessen Sie garantiert nichts mehr, was wirklich wichtig ist. Trauen Sie sich, alle Fragen zu stellen, die Ihnen unklar sind – auch wenn das Wartezimmer voll ist.

Fehler 4: Sie gehen zu wichtigen Arztterminen allein
Bitten Sie eine vertraute Person (Partner, Kinder, Freunde) darum, Sie beim Arztbesuch zu begleiten. Schließlich hören vier Ohren mehr als zwei, und Ihre Begleitung kann sich während des Gesprächs Notizen machen. Außerdem fällt es zu zweit oft leichter, im Zweifelsfall noch mal nachzuhaken.
Fehler 5: Sie übernehmen die Rolle des Befehlsempfängers
Arzt und Patient entscheiden gemeinsam, welche Behandlung vorgenommen wird. Das ist keine bloße Wunschvorstellung, sondern steht so im Patientenrechte-Gesetz und in der Berufsordnung der Ärzte. Sie können also von Ihrem Arzt erwarten, dass er nicht einfach irgendwelche Untersuchungen oder Therapien anordnet, sondern Ihnen erklärt, warum diese nötig und sinnvoll sind. Außerdem sollte er Ihnen mögliche Alternativen nennen. Auf dieser Basis können Sie abwägen, was Sie tatsächlich wollen. Das gilt besonders für IGeLLeistungen, die Sie selbst zahlen müssen. Hier sollten Sie genau nachfragen, ob es tatsächlich verlässliche wissenschaftliche Belege über den Nutzen dieser Leistungen gibt.
Fehler 6: Sie lassen sich drängen
Wichtige Entscheidungen lassen sich meist nicht so einfach auf die Schnelle treffen. Sagen Sie Ihrem Arzt unbedingt, dass Sie eine Bedenkzeit brauchen, um sich für eine bestimmte Behandlung oder auch dagegen zu entscheiden.
Fehler 7: Sie ziehen das Urteil des Arztes niemals in Zweifel
Wenn Sie von der Diagnose oder der vorgeschlagenen Therapie trotz umfangreicher Information vonseiten des Arztes nicht überzeugt sind, empfiehlt es sich, eine Zweitmeinung einzuholen. Sofern Sie bereits Untersuchungsergebnisse, wie Blutuntersuchungen oder Röntgenbilder, haben, sollten Sie die zum zweiten Arzt mitnehmen. Ihr Arzt ist rechtlich verpflichtet, Ihnen Kopien dieser Dokumente auszuhändigen. Für einen wirklich guten Arzt sollte es im Übrigen kein Problem sein, dass Sie sich eine zweite Meinung einholen.



